Berlinspiriert Artikel: Kiez – Universität holt Jugendliche von der Straße

Berliner Morgenpost vom 26.10.2009

Abgedruckt in der “Berliner Morgenpost” am Montag, 26. Oktober 2009
in der Rubrik: “Schüler machen Zeitung” (Bildung)

*

“Kiez-Universität” holt Jugendliche von der Straße

“Hartz IV-Empfänger”: Das ist eine Antwort, die manche Jugendliche auf die Frage nach ihrem Berufswunsch geben. Es gibt sie, solche Jugendlichen, die desillusioniert sind, keine Zukunftspläne haben, keine Vorstellungen von den eigenen Fähigkeiten und ihren sozialen Kompetenzen.

Ein paar kluge Köpfe haben die Hilferufe gehört und ein Projekt ins Leben gerufen, das solche demotivierten Jugendlichen von der Berliner Straße holen will, um ihnen eine Zukunftsperspektive aufzuzeigen. Die Rede ist vom Team der StreetUniverCity Berlin. Dahinter steckt ein Projekt, das 2007 von Gió di Sera (bekannt als Radiomoderator Don Rispetto), Schauspieler Erhan Emre (u. a. “Knallhart”) und Martin Kesting, Ex-Leiter des Kulturzentrums Naunynritze, gegründet wurde. Die Initiative verknüpft Jugendkultur- und Jugendsozialarbeit mit Berufsorientierung sowie politischer Bildung. Die drei Männer haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Jugendlichen das Vertrauen in sich selbst zurückzugeben.
Anzeige

Als genauer Kenner städtischer Jugendkulturen und durch seinen Sinn für pragmatische Lösungen hatte di Sera schon früh die Idee einer ‘Universität der Straße’: “Ich glaube an den Austausch der Generationen und Kulturen und an die gegenseitige Bereicherung. Wir vermitteln authentisches Wissen. Sich selbst und die eigene Biografie positiv zu sehen und daraus zu schöpfen ist sehr wichtig. Unten die Straße und das Ghetto, oben die Eliten und die Politik: Daran muss sich endlich etwas ändern! Hier wollen wir vermitteln.”

Die Teilnehmer der StreetUniverCity werden auch durch so genannte “SUBporters” unterstützt. Prominente wie die beiden Musiker Afrika Bambaataa und Joy Denalane, Politiker Cem Özdemir, Schauspieler Benno Fürmann oder die Berliner Hip-Hop-Band Culcha Candela sind nur einige von ihnen, mit denen sich Jugendliche identifizieren können und von denen sie gerne Rat annehmen.

In der Naunynstraße, fünf Minuten vom Görlitzer Bahnhof entfernt, ist die Naunynritze in einem sozialen Brennpunkt zuhause. Hier greift die StreetUniverCity, ein freier Träger außerschulischer Bildung für Jugendliche und junge Erwachsene von 15 bis 25 Jahren, hauptsächlich mit bikulturellem Hintergrund.

Wo Eltern und Lehrer versagt haben, erleben die Mitarbeiter der StreetUniverCity immer öfter, wie viel Motivationshilfe und Zuwendung manchmal nötig sind, um einen erfolgreichen Lernprozess in Gang zu setzen. Die “SUB” ist allerdings keine Schule in dem Sinne, obwohl man hier sogar einen Abschluss machen kann, den “SUB Master”. Das Abschlusszertifikat belegt erworbene soziale und kreative Kompetenzen und soll Bewerbungen beigelegt werden.

Doch wie in einer normalen Schule gibt es auch hier eine Art Anwesenheitskontrolle, denn man möchte die Jugendlichen nicht nur in ihren Talenten bestärken, sondern ihnen auch die Regeln im Umgang miteinander beibringen und sie auf das spätere Berufsleben vorbereiten.
Politik- und Hip-Hop-Angebote

Jeder Teilnehmer braucht während der dreimonatigen Ausbildung in den angebotenen Kursen eine gewisse Punkteanzahl, um den Abschluss zu schaffen. Voraussetzung ist der regelmäßige Besuch der Lehrveranstaltungen. Das Bildungsangebot ist vielfältig, es gibt Workshops und Seminare zu Themen wie Politik & Gesellschaft, Fussball/Fitness & Boxen, Bildende Kunst/Theater/Film/Musik, Straßenkultur, Hip-Hop-Geschichte, IT Media sowie berufliche Weiterbildungsmaßnahmen.

Mit viel Zuwendung erlangen die Projektteilnehmer mehr Selbstbewusstsein und das Vertrauen, etwas bewegen zu können. SUB-Geschäftsführer Philip Marcel: “Es ist unser Ziel, dass Jugendliche einen Beruf finden, in dem sie sich verwirklichen können.”

Die StreetUniverCity-Absolventen sehen optimistisch in die Zukunft. Und auch so mancher Arbeitgeber sieht die jungen Menschen mit dem “Master” gern, denn dies ist der Beweis dafür, dass sie an sich selbst gearbeitet haben, sich in die Gesellschaft einbringen. (Infos: www.streetunivercity.de )

Tatjana Sochowski ( @berlinspires )& Ann Kathleen Hörl ( @FrHPunkt ), Kl. Medien 11/6, Akademie für Internationale Bildung, Charlottenburg


*

Screenshot zum Artikel:

Artikelveröffentlichung MoPo

*

Weiter lesen:
http://www.morgenpost.de/printarchiv/schueler-und-zeitung/article1196248/Kiez-Universitaet-holt-Jugendliche-von-der-Strasse.html

♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥

Inspiriert durch:

Berliner Morgenpost
Berliner Morgenpost

Berliner Morgenpost
Axel-Springer-Straße 65
in 10969 Berlin – Kreuzberg

StreetUniverCity Berlin e.V.
Naunynstr. 63
in 10997 Berlin-Kreuzberg

@FrHPunkt

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Related posts

One Thought to “Berlinspiriert Artikel: Kiez – Universität holt Jugendliche von der Straße”

  1. […] habe ich erfahren, dass der Artikel “Kiezuniversität holt Jugendliche von der Straße”, den meine Banknachbarin und ich im Medienunterricht schreiben konnten, tatsächlich von der […]

Gib deinen Senf dazu: